ACHTSAME BERÜHRUNG UND PACINI

ACHTSAME BERÜHRUNG UND DAS PACINI-KÖRPERCHEN

Darf ich? Ja, klar, mach einfach ma' - Du weisst schon, was Du tust.

Achtsame Berührung gehört mehr denn je in die Werkzeugkiste von Therapeuten, Coaches und YogalehrerInnen. Durch Berührung wird die Interozeption gestärkt, was den Ventralen Vagus und das Soziale Nervensystem aktiviert. Dies widerum hat einen grossen Effekt auf vertiefte Atmung, einen gesunden Gashaushalt und somit auf das Immunsystem.

Bei der Berührung dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass wir mit sehr frühen neurophysiologischen Entwicklungsstufen (prä-, peri- und postnatal) in Kontakt kommen, wo die Haut die Funktion für das Empfinden für die eigene (un-)sichere Existenz und unsere (un-)erfüllten Bedürfnisse zu übernehmen lernt. In dieser Phase unseres Lebens erfahren wir erstmals Dualität, das Ich und Du, unsere Grenzen. Es zeigen sich grosse Herausforderungen, welche es vom ganzen Feld zu meistern gilt. Schlussendlich geht es um die Fähigkeit, zu erkennen, was wir brauchen, was nicht, und dies in Verbundenheit und Würde äussern zu können. Gehört zu werden.

Wie oft passiert es, dass ein Mensch auf die Schragge liegt und 'es' einfach mit sich geschehen lässt, auch über das eigene Wohlbefinden hinaus. Es ist nämlich durchaus nicht unüblich, dass in unseren Breitengraden ein Kleinkind sich dem Rhythmus der Erwachsenen anpassen muss - und nicht umgekehrt. Und sich dieses Verhalten dann auch im Erwachsenenalter wiederholt. 

Achtsame Berührung geschieht meist im Liegen, und unser Körper erinnert sich automatisch an diese frühkindliche Zeit mit all ihren Prägungen. Wir kommen unter Umständen erneut in diese Situation von 'Mach mal', wo das Gegenüber über uns bestimmen darf. 

Aus Sicht der traumaspezifischen BodyMind-Arbeit ist also das Kontaktverhandeln und die Beziehung als Priorität zu betrachten. Erst wenn diese stabil und vertauensvoll genug ist, können wir unsere eigenen Bedürfnisse überhaupt erst wahrnehmen und auch äussern. Achtsame Berührung beinhaltet also etwas mehr als bloss gute Absicht. Das Wissen über die verschiedenen Themen, die ein Kontakt mit der Haut hervorrufen können, ist selbstverständlich nicht zwingend, jedoch ratsam. Es vermittelt Orientierung, Verbundenheit, Grenzwahrung, Würde und Sicherheit. Allesamt sind dies Grundlagen für gelungene Integration.

Wer wusste zum Beispiel, dass in der Haut zwei Kategorien von Reizweiterleitungs-Bahnen starten - eine mit (schnell) und eine ohne (langsam) Myelinschicht? Und dass bei unangenehm empfundener Berührung die schnelle zum Zuge kommt, die unser Alarmsystem hochfährt? Wenn wir uns nicht äussern können, dann geht die Verteidigungskaskade los, und wir gehen aus der Verbindung. Dissoziation, 'Ausharren', Selbstsabbotage sind die Folge.

Man kann also sagen: Verbundenheit durch Kontaktverhandlung kommt vor Berührung in Achtsamkeit! 

💆🏼‍♂️Es ist ok, wenn eine Berührung nicht angenehm ist. Es ist nichts falsch mit uns, wenn sich eine Berührung falsch oder als Grenzüberschreitung anfühlt. Wir müssen es nicht noch einmal über uns ergehen lassen.

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