LOSLASSEN durch STABILITÄT - STABILITÄT durch PRAXIS

"Wird eine Praxis lange Zeit ohne Unterbrechung und Hingabe verfolgt, dann wird sie zur stabilen Grundlage." 

- Patanjali, Yogasutren, 1.13

 

 

Die stabile Grundlage hilft, auch dann auf die eigene Unterscheidungsfähigkeit - Viveka - zurückzugreifen, wenn es uns eigentlich unmöglich ist, bei klarem Verstand zu sein. Dies kann bei starken Emotionen und beängstigenden somatischen Symptomen schnell passieren. Es ist dann, wenn uns unsere Mitmenschen gütigerweise raten, einfach mal loszulassen, uns jedoch nur ein faules Lächeln über die Lippen huscht. 

 

Eine stabile Grundlage klingt also gut! Und das kann durch Yoga erreicht werden - wie toll! Nun stellt sich die Frage, welche Pose oder Meditation oder Atemübung denn dafür am Besten geeignet ist. Frag einen Yogalehrer, er wird es Dir mit Sicherheit sagen können. Doch der Rat könnte trügerisch sein: Es steht nämlich nirgends überliefert, wie diese Praxis aussehen soll. Alles, was geraten wird, ist die regelmässige Praxis in der ein und derselben Sache. 

 

Vergiss also die Matte, verlasse den Lotussitz, und lass den geraden Rücken krumm werden. Werde kreativ und frage Dich: In was möchte ich mich jeden Tag üben? Welche Sache kann ich mein Leben lang von verschiedenen Seiten beleuchten? Was fasziniert mich - wo beginnen all meine Zellen in Resonanz zu treten?

 

Lass Dir Zeit, Deine eigene Praxis zu finden. Suche, erprobe, wäge ab. Doch sei Dir bewusst: Wenn wir das Objekt der Praxis dauernd wechseln, können wir keinen Fortschritt auf unserem Yogaweg erzielen. Ändern wir immer wieder die Methode, so ist das, als ob wir dauernd an anderen Orten graben. Auf diese Weise kommen wir nie in die Tiefe. Suche Deine eigene Methode mit diesem Bewusstsein.

 

Eine Musikerin übt jeden Tag ihre Tonleitern, ein Künstler mischt täglich seine Farben. Der Kern dieser Arbeit liegt aber nicht darin, von Tag zu Tag besser zu werden, auch wenn dies vielleicht so ist. Der Kern liegt darin, Rück- und Fortschritte, Erfolge und Misserfolge, Frust und Lust anzunehmen, zu beobachten, nicht zu bewerten, und die eigene tägliche Übpraxis trotz Wellen nicht zu vernachlässigen. Pratyahara ist stetiger Begleiter auf diesem Weg.

 

So wird also eine geistige Stabilität gegenüber Dualitäten erreicht. Es wird am eigenen Leib erfahren, dass auf jede Niederlage wieder ein Hoch kommt, und - noch wichtiger - auf jedes Hoch ein Tief folgt. Die Wellen im Aussen gehören zum Leben. Durch unsere tägliche Praxis schulen wir unseren inneren Gleichmut gegenüber diesen Wellen.  

 

Gleichmut soll nicht verwechselt werden  mit der äusseren Gleichgültigkeit. Loslassen heisst nicht, sich im Äusseren dem Übel zu entledigen, es von sich wegzustossen, Gleichgültigkeit zu entwickeln. Loslassen heisst lediglich, das Bedürfnis nach Entledigung in sich wahrzunehmen, und Brahma einzuladen, dem Übel Raum zu geben. Dann Pratyahara zu praktizieren - je nach Schweregrad alleine oder mit einem Gegenüber. 

 

Das Geheimnis des Loslassen besteht also darin, auch in schwierigen Gefühlslagen mit der eigenen, inneren Stabilität - dem unverwundbaren Selbst, in Kontakt zu sein. Durch die eigene Praxis erfahren zu haben, dass Leid und Freud Ausdruck der Dualität des Lebens sind und das Herz genug stark ist, mit beidem sein zu können.

 

SIT WITH THE SHIT.

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